Große Hunde-Studie räumt auf: Diese Rassen lassen sich wirklich leicht erziehen

Am frühen Morgen, wenn die Stadt noch schläft und der Asphalt die Kälte der Nacht festhält, steht da dieser eine Mensch mit seiner Hündin am Rand des Parks. Eine mittelgroße, hellbraune Hündin, die den Kopf leicht schieflegt, jedes Wort ihres Menschen zu verstehen scheint und schon sitzt, bevor das Kommando überhaupt ganz ausgesprochen ist. Ein Hund, bei dem man unwillkürlich denkt: „Die ist aber gut erzogen.“ Und genau an diesem Punkt setzt eine der spannendsten neuen Hunde-Studien an, die gerade für ordentlich Gesprächsstoff sorgt: Gibt es sie wirklich, die „leicht erziehbaren“ Hunderassen – oder ist das nur ein freundlicher Mythos der Hundewelt?

Was die große Hunde-Studie wirklich untersucht hat

Forscherinnen und Forscher aus verschiedenen Ländern haben in den letzten Jahren tausende Hunde und ihre Halterinnen und Halter befragt, getestet und im Alltag beobachtet. Herausgekommen ist eine der umfassendsten Studien zur Frage, wie erziehbar Hunde tatsächlich sind – und vor allem, welche Rolle die Rasse spielt.

Die Wissenschaftler wollten nicht nur wissen, ob ein Hund „brav“ ist. Sie haben geschaut auf:

  • Wie schnell Hunde Kommandos lernen
  • Wie gut sie sich in neuen Situationen orientieren
  • Wie stark sie die Nähe zum Menschen suchen
  • Wie konzentriert sie arbeiten können – auch mit Ablenkung
  • Wie konfliktbereit oder kooperativ sie sich zeigen

Die Testergebnisse wurden mit Angaben der Halter kombiniert: Wie erleben sie ihren Hund im Alltag? Wie aufwendig war die Erziehung? Wie oft gibt es Probleme – zum Beispiel Ziehen an der Leine, Bellen, Ignorieren von Rückrufen?

All das floss in einen großen Datentopf, aus dem sich erstmals ein vergleichsweise klares Bild ergibt: Ja, es gibt rassetypische Tendenzen bei der Erziehbarkeit. Aber nein, es ist nicht so simpel, wie viele Zuchtvereine in ihren Beschreibungen suggerieren. „Leicht erziehbar“ ist nicht gleichbedeutend mit „macht alles, was ich will“ – und schon gar nicht mit „funktioniert von allein“.

Die Überraschung: Diese Rassen gelten als besonders leicht erziehbar

Wenn im Park gefragt wird, welche Hunde als besonders gelehrig gelten, fallen meist dieselben Namen: Border Collie, Labrador, Golden Retriever, vielleicht noch der Deutsche Schäferhund. Die Studie bestätigt diese Klassiker – aber sie erweitert die Liste und setzt ein paar interessante Akzente.

Die Top-Performer: Arbeitshunde mit Köpfchen

Ganz vorne mit dabei sind – wenig überraschend – Rassen, die über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte gezielt auf Zusammenarbeit mit dem Menschen gezüchtet wurden. Sie haben eine Art eingebauten „Will to please“, also den Wunsch, ihrem Menschen zu gefallen, kombiniert mit hoher Auffassungsgabe.

Zu den Rassen, die in der Studie besonders oft als „leicht erziehbar“ eingestuft wurden, gehören unter anderem:

  • Border Collie – das „Superhirn“ unter den Hunden, extrem lernfreudig und aufmerksam
  • Pudel (alle Größen) – intelligent, menschenbezogen, erstaunlich vielseitig
  • Golden Retriever – sanft, kooperativ, sehr belohnungsorientiert
  • Labrador Retriever – freundlich, nervenstark und für Futter fast zu allem bereit
  • Australian Shepherd – aufmerksam, arbeitswillig, oft mit viel Energie
  • Deutscher Schäferhund – konzentriert, belastbar, mit klarer Führung sehr lernwillig

Diese Hunde punkten nicht nur in standardisierten Tests, sondern auch in den Rückmeldungen von Halterinnen und Haltern: Sie lernen neue Kommandos häufig schneller, behalten sie besser und wirken im Training meist motiviert statt widerwillig.

Die Stillen Stars: Rassen, die kaum jemand auf dem Zettel hat

Spannend ist der Blick auf Rassen, die außerhalb von Fachkreisen oft unterschätzt werden. Einige Gesellschafts- und Begleithunde zeigten in der Studie eine hohe Bereitschaft, mit dem Menschen zu kooperieren – oft kombiniert mit einem ausgeglichenen Temperament.

Dazu zählten beispielsweise:

  • Havaneser – klein, fröhlich, sehr menschenbezogen
  • Cavalier King Charles Spaniel – sanft, freundlich, meist leicht motivierbar
  • Sheltie (Shetland Sheepdog) – sensibel, klug, aufmerksam

Sie sind vielleicht keine klassischen „Gebrauchshunde“, aber sie bringen eine Eigenschaft mit, die in der modernen Stadtwelt Gold wert ist: Sie wollen nah bei ihren Menschen sein, suchen Blickkontakt und sind oft gern bereit, zu kooperieren – wenn man fair mit ihnen umgeht.

Warum „leicht erziehbar“ nicht „pflegeleicht“ bedeutet

Die große Falle bei all diesen Rankings: Sie klingen, als gäbe es bequeme Hunde, die quasi im Schlaf gute Manieren entwickeln – und andere, die grundsätzlich schwierig sind. Die Realität ist komplexer, und genau das betont auch die Studie.

Intelligente Hunde haben auch intelligente Ideen

Hunde, die in Tests als besonders lernfreudig und „erziehbar“ eingestuft werden, sind meistens sehr intelligent. Und Intelligenz ist ein zweischneidiges Schwert. Dieselbe Denkleistung, die es dem Border Collie ermöglicht, ein neues Signal in drei Wiederholungen abzuspeichern, sorgt auch dafür, dass er in Sekunden herausfindet, wie er Türen öffnet, Mülleimer plündert oder den Weg über den Gartenzaun findet.

Viele Trainer erzählen ähnliche Geschichten: Die „leicht erziehbaren“ Rassen sind oft diejenigen, die in Unterforderung besonders kreative Wege finden, sich selbst zu beschäftigen – nicht immer zur Freude ihrer Menschen. Ein Labrador, der nie gelernt hat, zur Ruhe zu kommen, kann mit seiner Frustration genauso überfordern wie ein Terrier, der jagdlich überdreht ist.

Die Studie zeigt deutlich: Hunde, die in einer strukturierten Trainingsumgebung schnell lernen, sind nicht automatisch einfach im Alltag, wenn diese Struktur fehlt. Je intelligenter der Hund, desto mehr Konsequenz, Ideenreichtum und zeitliche Investition braucht seine Erziehung.

Wenn Rassemythen gefährlich werden

Ein zentrales Ergebnis der Studie: Viele Probleme entstehen nicht, weil ein Hund „schwer erziehbar“ wäre, sondern weil Menschen mit falschen Erwartungen an eine Rasse herangehen. Wer sich einen Golden Retriever anschafft, weil der als „Familienhund“ und „unkompliziert“ gilt, aber kaum Zeit für Auslastung hat, wird ziemlich sicher enttäuscht.

Ähnlich ist es bei Hütehunden. Sie gelten als extrem lernfähig und „willig“, was stimmt – doch ihr Bedürfnis nach geistiger Arbeit ist entsprechend groß. Wird das nicht erfüllt, können sie deutlich schwieriger im Alltag werden als so mancher vermeintlich „sturer“ Hund.

Die Studie macht deutlich: Das Label „leicht erziehbar“ ersetzt nicht die Beschäftigung mit den Bedürfnissen einer Rasse. Es sagt nur, wie gut ein Hund tendenziell auf Training anspricht – nicht, wie wenig davon er braucht.

Wenn „stur“ einfach nur „selbstständig“ bedeutet

Auf der anderen Seite der Skala landen in der Studie einige Rassen, die von Haltern häufiger als „schwer erziehbar“ bezeichnet werden. Dazu zählen vor allem Hunde, die historisch für selbstständige Aufgaben gezüchtet wurden: Jagdhunde, Schlittenhunde, viele Terrier, Herdenschutzhunde.

Eigenständige Denker mit langer Geschichte

Ein Jagdhund, der während einer Treibjagd auf jedes kleinste Kommando warten würde, hätte Jahrhunderte lang schlechte Karten gehabt. Ebenso ein Schlittenhund, der in eisiger Wildnis nicht selbst entscheiden kann, welchen Weg er sicher laufen kann. Diese Hunde wurden gezielt darauf selektiert, Probleme alleine zu lösen, auch wenn der Mensch gerade keinen Befehl gibt.

In der Studie zeigt sich das so: Sie nehmen Kommandos zwar wahr, aber sie hinterfragen sie innerlich stärker. „Lohnt sich das? Ergibt das Sinn? Gibt es etwas Interessanteres?“ Für Halter wirkt das schnell wie Sturheit – tatsächlich ist es ein anderer Arbeitsstil.

Beispiele für solche Rassen sind:

  • Huskys und andere Schlittenhunde
  • Viele Terrier-Rassen (z. B. Jack Russell, Fox Terrier)
  • Manche Bracken und Spurhunde
  • Herdenschutzhunde wie der Kangal oder Maremmano

Sie sind nicht dumm, im Gegenteil. Nur orientieren sie sich weniger stark am Menschen – und brauchen eine andere Art von Training, viel Geduld und einen Menschen, der akzeptiert, dass Gehorsam hier nie so „knackig“ aussehen wird wie bei einem Sport-Border-Collie.

Training, Alltag, Mensch: Wer lernt hier eigentlich wen?

Einer der interessantesten Aspekte der Studie: In fast jeder Rasse gibt es Hunde, die sehr leicht zu erziehen sind – und solche, bei denen vieles mühsamer läuft. Der entscheidende Faktor ist oft nicht der Hund, sondern der Mensch an seiner Seite.

Wie Erfahrung alles verändert

Je besser Halterinnen und Halter die Körpersprache ihres Hundes lesen, je eher sie rechtzeitig Grenzen setzen oder Frust auffangen, desto leichter wird die Erziehung wahrgenommen. Menschen, die schon mehrere Hunde hatten, berichten oft, ihr aktueller Hund sei „so viel einfacher“ – selbst wenn die Rasse als schwierig gilt.

Umgekehrt berichten Ersthundehalter manchmal, ein eigentlich kooperativer Hund sei „extrem schwierig“. Die Studie legt nahe, dass Lernerfolge und Probleme immer als Zusammenspiel zu sehen sind: Hund, Mensch, Umfeld, Trainingsmethode – erst das Gesamtpaket entscheidet, ob ein Hund als „leicht erziehbar“ erlebt wird oder nicht.

Gefühl statt Drill: Was wirklich hilft

Quer durch alle Rassen zeigt sich: Positive, belohnungsorientierte Trainingsmethoden führen nicht nur zu besseren Ergebnissen, sondern auch zu einer engeren Bindung. Hunde, die sich sicher fühlen und wissen, dass sich Kooperation lohnt, arbeiten motivierter und zuverlässiger mit.

Das bedeutet in der Praxis:

  • Klare, kurze Signale statt ständiger Wortflut
  • Belohnungen, die wirklich etwas bedeuten (Futter, Spiel, Nähe, Freiheit)
  • Konsequenz ohne Härte – Regeln, die immer gelten, ohne Schreien oder Strafen
  • Übungen in kleinen Schritten mit Erfolgserlebnissen

Die Studie zeigt: Selbst bei Rassen, die als „schwer erziehbar“ gelten, lassen sich mit diesen Methoden enorme Fortschritte erzielen. Und bei den „leicht erziehbaren“ Rassen verhindern sie, dass leistungsbereite Hunde unter Druck geraten oder aus Überforderung Strategien entwickeln, die wir dann „Problemverhalten“ nennen.

Welche Rasse passt wirklich zu mir? Ein ehrlicher Blick

Vielleicht spürst du es beim Lesen schon: Die zentrale Frage ist nicht „Welche Rasse ist am leichtesten zu erziehen?“, sondern „Welche Rasse passt zu meinem Leben, meinem Temperament, meiner Geduld – und zu dem, was ich einem Hund bieten kann?“

Studien-Ergebnisse in der Übersicht: Erziehbarkeit ist nur ein Puzzleteil

Um die Ergebnisse greifbarer zu machen, hilft eine kompakte Übersicht. Wichtig: Die folgende Tabelle ist eine vereinfachte Einordnung typischer Tendenzen, keine harte Wertung. Jeder Hund ist ein Individuum.

Rassetyp Tendenz Erziehbarkeit* Besonderer Trainings-Fokus
Hüte- & Treibhunde (z. B. Border Collie, Aussie) Sehr hoch Geistige Auslastung, Ruhetraining, klare Aufgaben
Apportier- & Retriever-Rassen Hoch Impulskontrolle, sinnvolles Apportier-Training
Begleit- & Gesellschaftshunde Mittel bis hoch Bindung, Alltagsregeln, sanftes, konsequentes Training
Jagdhunde (z. B. Beagle, Bracken) Mittel Rückruf, Schleppleine, Nasenarbeit als Ventil
Terrier & selbstständige Rassen Eher niedrig Geduld, klare Grenzen, viele Wiederholungen
Herdenschutz- & Schlittenhunde Niedrig Frühe Sozialisierung, sichere Haltungsbedingungen, erfahrene Halter

*„Erziehbarkeit“ bezieht sich hier auf die durchschnittliche Tendenz, auf Training und Kooperation mit dem Menschen anzusprechen, nicht auf „brav sein von allein“.

Die ehrlichste Frage: Wieviel Zeit und Nerven habe ich?

Die Studie legt nahe: Wer zum ersten Mal einen Hund aufnimmt und wenig Erfahrung mitbringt, ist meist gut beraten mit einer Rasse oder einem Mischling, der:

  • Menschenkontakt liebt
  • nicht extrem jagdlich oder eigenständig ist
  • emotional relativ stabil wirkt

Das kann ein Retriever sein, ein gut gezüchteter Pudel, ein freundlicher Mischling aus dem Tierschutz oder ein kleiner Begleithund. Entscheidend ist weniger das Rasseetikett, sondern die Kombination aus Wesensmerkmalen – und ob deine Lebensrealität dazu passt.

Denn am Ende ist kein Hund „leicht“, wenn er nicht verstanden wird. Und kaum ein Hund bleibt „schwierig“, wenn er fair geführt, respektiert und seinem Wesen entsprechend gefördert wird.

Was die Studie uns wirklich mit auf den Weg gibt

Zurück zu dem frühen Morgen im Park. Die Hündin sitzt immer noch neben ihrem Menschen. Nicht, weil ihre Rassebeschreibung in einem Buch das so verspricht. Sondern, weil jemand Zeit, Geduld und Interesse investiert hat. Weil sie lernt, dass es sich lohnt, bei ihrem Menschen zu bleiben – dass aus dieser Beziehung etwas entsteht, das beiden guttut.

Die große Hunde-Studie räumt auf mit dem Märchen vom „funktionierenden“ Hund, der nur die richtige Rasse haben muss. Sie zeigt stattdessen ein viel schöneres Bild: Hunde bringen verschiedene Startpakete mit – genetische Tendenzen, Vorlieben, Eigenheiten. Doch was wir daraus machen, entsteht im Alltag, im Miteinander, in den leisen Momenten zwischen Futterbeutel und Abendrunde.

Ja, es gibt Rassen, die tendenziell leichter auf Training ansprechen. Und ja, es gibt Hunde, bei denen konsequente Erziehung mehr Fingerspitzengefühl und Erfahrung braucht. Aber die wichtigste Erkenntnis bleibt: Der wirklich „leicht erziehbare“ Hund ist der, dessen Mensch bereit ist zu lernen – über Rassen, über Verhalten, und vor allem über das Lebewesen, das da Tag für Tag an seiner Seite mitläuft.

Häufige Fragen (FAQ)

Welche Hunderassen gelten laut Studien als besonders leicht erziehbar?

Überdurchschnittlich gut schneiden vor allem Hüte- und Apportierhunde ab, etwa Border Collie, Pudel, Labrador und Golden Retriever, aber auch einige Begleithunde wie Shelties oder Havaneser. Sie sind meist sehr menschenbezogen und lernfreudig.

Heißt „leicht erziehbar“, dass diese Hunde wenig Arbeit machen?

Nein. Viele dieser Rassen sind hochintelligent und brauchen entsprechend viel geistige und körperliche Auslastung. Ohne sinnvolle Beschäftigung können sie schnell Verhaltensprobleme entwickeln – oft sogar stärker als manch „stur“ geltende Rasse.

Gibt es wirklich „schwer erziehbare“ Hunderassen?

Es gibt Rassen, die historisch für eigenständige Arbeit gezüchtet wurden, etwa Jagd-, Schlitten- oder Herdenschutzhunde. Sie orientieren sich weniger am Menschen und hinterfragen Kommandos eher. Mit Erfahrung, Geduld und passenden Methoden lassen sich aber auch sie gut trainieren – nur eben anders.

Ist die Rasse wichtiger als die Erziehung?

Beides spielt eine Rolle. Die Rasse bringt bestimmte Tendenzen mit, die Erziehung formt, wie ein Hund damit im Alltag umgeht. Die Studie zeigt deutlich: Selbst innerhalb einer Rasse können Unterschiede enorm sein, je nach Halter, Umfeld und Trainingsstil.

Welche Rasse eignet sich am besten für Anfänger?

Das hängt von Lebensstil, Zeit und Erwartungen ab. Oft empfohlen werden freundliche, menschenorientierte Rassen mit moderatem Temperament wie viele Retriever oder gut gezüchtete Begleit- und Gesellschaftshunde. Genauso geeignet können aber ruhige, passende Mischlinge sein. Entscheidend ist, sich ehrlich zu fragen, was man einem Hund tatsächlich bieten kann – und sich nicht nur von Rassemythen leiten zu lassen.

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